Auf der dunklen Seite der Mandalay

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Es gibt Dinge, die darf man seinen Eltern nicht erzählen.

Die Aussicht während der Autofahrt von Mandalay ins Kaffeegebiet ist atemberaubend. Die Abendsonne reflektiert im Gold der Pagoden. Blickt man aber auf die Spur des Oriental Highways, dessen Konturen aufgrund der Dämmerung sich langsam verwischen, meldet sich bei mir eine innere Unruhe. Wir sind auf der Verbindungsstrasse zwischen Myanmar’s Landesinnerem und China. Es ist eine hoch frequentierte Handelsroute, wo das Gesetz des Stärkeren gilt. Scheinwerfer bei Laster scheinen eine Ausnahme zu sein. In der Dunkelheit krebsen Lastwagen mit wertvollem Teakholz im Schleichzug den Hang hinauf. Der illegale Holzabstransport von Myanmar nach China war bereits vor hundert Jahren ein Thema. Ernest Hemingway beschreibt in “Burmese Days” zum Zeitpunkt des Zerfalls des britischen Empire die grenzenlosen Abtransporte über die Grenze und das machtlose Zuschauen der Regierung.

Andere Laster transportieren tonnenweise Gemüse. Auf gestapelten Kohlköpfen liegen Menschen dicht nebeneinander. Sie schlottern und haben nur dürftige Kleidung überzogen. Wenn sich eine Person bewegt, dann riskiert eine andere runterzufallen. Dann überholen wir den Gemüsetransporter. Mein Motto lautet „ Augen schliessen“. Plötzlich, auf der rechten Seite, flackert ein grellendes Licht auf. Ein Waldbrand, oder eine Waldrodung? Das unkontrollierte Licht erhellt die unbekannte Waldgegend. Der Chauffeur zeigt sich unbeirrt von meiner erschrockenen Reaktion. Ich schliesse wieder die Augen. Und es geht weiter bergauf.